Präanalytik

Grundlegend für sichere Werte

Die Präanalytik umfasst alle Vorgänge, die der eigentlichen Analyse vorausgehen, d.h. von der Untersuchung über die Indikationsstellung bis zum Beginn der Laboranalyse. Fehler bei der Erstellung von laboratoriumsmedizinischen Befunden im niedergelassenen Laboratorium betreffen in ca. 30% den präanalytischen Bereich. Die Präanalytik umfasst mehrere Phasen, wobei die Phasen 1-3 maßgeblich in der Praxis mitbestimmt werden:

  1. die Vorbereitung des Patienten
  2. die Probengewinnung in ausreichender Menge
  3. die Behandlung der Proben und die Aufbewahrung bis zum Transport ins Labor
  4. den Transport ins Labor
  5. die Lagerung der Proben bis zur Analyse
  6. die Aufbereitung des Untersuchungsmaterials für die Analytik

Um unseren Einsendern die Arbeit der Dokumentation über die Probenentnahme zu vereinfachen und um den besonderen Anforderungen an die Qualität eines akkreditierten Labors gerecht zu werden, haben wir ein Laborjournal erstellt, das wir für unsere Einsender kostenfrei zur Verfügung stellen.

Aufbewahrung und Transport

Die Aufbewahrung und der Transport von Proben gelten als so genannte Störgrößen in der laboratoriumsmedizinischen Diagnostik (siehe auch Hinweise zur Präanalytik) und können die Qualität des Befundes erheblich beeinträchtigen. Bitte beachten Sie daher die Angaben zur Aufbewahrungsdauer von Proben sowie zur Lagerungstemperatur, die wir zu Ihrer Orientierung in einer knappen Übersicht zusammengestellt haben.

Für den schnellen und fachgerechten Transport der Proben steht der Fahrdienst unseres Labors zur Verfügung, der das Untersuchungsmaterial direkt bei Ihnen abholt. Für den Postversand können Sie vom Labor frankierte Transportboxen anfordern.

Bitte beachten Sie: Der Probentransport muss grundsätzlich in geschlossenen Gefäßen erfolgen. Beschränkt haltbares Probenmaterial (z.B. mikrobiologische Untersuchung von Zellkulturen) nie über das Wochenende verschicken! Ein schneller Probentransport ist einer längeren Lagerung stets vorzuziehen.

Untersuchungsmaterial

Bei der Probenentnahme sollte immer auf ein adäquates Untersuchungsmaterial geachtet werden. Angaben dazu finden Sie auf unseren Anforderungsscheinen und im Leistungsverzeichnis, Empfehlungen zum Transport bzw. zur Aufbewahrung der Proben finden Sie hier.

Übersicht:

Serum

Die Mehrzahl der Untersuchungen wird im Serum durchgeführt. Um genügend Probenmaterial zu erhalten, bitte 3x mehr Blut abnehmen als Serum für die Analyse/-en gebraucht wird. Falls eine Zentrifuge vorhanden ist, nach der Gerinnung (30 min nach Blutentnahme bei Zimmertemperatur) zentrifugieren (15 min. bei 2000 x g)
Überstand mit Spritze oder Pipette vorsichtig vom Blutkuchen abheben!

Hämolytisches oder trübes Serum ungeeignet!

Blut bzw. Plasma

Vollblut ohne Zusätze: darf niemals eingefroren werden, da sonst Zellinhalte der geplatzten Blutzellen (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) die Zusammensetzung des Serums verfälschen!

  • EDTA-Blut: mindestens je 3 ml für Blutgruppenbestimmung, Blutbild, PCR; jedoch 9 ml für HBV-, HCV- und HIV-Viruslast, HCV-Genotypisierung (entsprechende Abnahmeröhrchen vom Labor anfordern), nach Blutentnahme sofort vorsichtig mehrmals schwenken (nicht schütteln, nicht zentrifugieren!)

  • Citrat-Blut (1:10): 3 ml z.B. für Gerinnungsanalysen (Spezialröhrchen im Labor anfordern). Röhrchen bis zur Markierung mit Blut füllen, sofort gut mischen (nicht schütteln) und umgehend ins Labor senden (Postversand ungeeignet).

  • Heparin-Blut: z.B. für klinische Chemie (zur Untersuchung auf toxische Metalle) und vor allem zur Blutzellauftrennung (Heparinröhrchen im Labor anfordern).

  • NaF-Blut: z.B. für Blutzucker und Laktatbestimmungen. Die Kohlenhydrat-Metabolite sind im Blut durch Blockade der entsprechenden Enzyme durch NaF stabil. Glukosebestimmungen im älteren Vollblut ohne Zusätze sind fehlerhaft (Halbwertzeit 30 min.)!

Urin

10 ml, Grundsätzlich ist bei der Urinuntersuchung ein schneller Transport ins Labor erforderlich, um eine Verfälschung der Keimzahl und Überwucherung durch Kontaminanten zu vermeiden. Die Kühlhaltung des nativen Urins ist unabdingbar, wenn keine sofortige Abholung ins Labor erfolgt. Urin-Monovetten oder Urin-Röhrchen mit Stabilisator (Borsäure) ermöglichen eine Konstanthaltung der Keimzahl für 1–2 Tage und sind auch für längere Transportwege geeignet.

Gegebenenfalls können Eintauchkulturen (Uricult, Dip-Slide) angelegt werden. Bitte beachten Sie dabei, dass kein Urin im Trägergefäß verbleiben darf, sonst kann eine Weitervermehrung der Keime und Verfälschung der Ergebnisse erfolgen. Der Nachweis antibakterieller Stoffe (Kontrolle der Antibiotikaeinnahme des Patienten) ist nur aus dem nativen Urin, nicht von der Trägerkultur möglich.

Bitte unbedingt beachten, dass bis zum Versand der Urin in lichtundurchlässigen Gefäßen gesammelt und versendet werden muss.

  • Mittelstrahlurin
    Bei Beachtung der sachgerechten Entnahmetechnik eignet sich Mittelstrahlurin gut für die mikrobiologische Diagnostik. Zur Vermeidung von Kontaminationen ist die Harnröhrenöffnung vor dem Wasserlassen sorgfältig zu reinigen. Bei Frauen sind die Labien gespreizt zu halten, eventuell ist bei Fluor ein Tampon oder ein steriler Tupfer in den Scheideneingang einzulegen. Die erste Urinportion sollten die Patienten ablaufen lassen, dann 3–10 ml des Urinstrahls in einem Gefäß (möglichst weithalsig – z.B. Urinbecher) auffangen.

  • Katheterurin
    Bei Katheterurin ist die erste Portion ebenfalls zu verwerfen. Bei Dauerkatheterträgern Urin nicht aus dem Sammelbeutel entnehmen, sondern nach Desinfektion eine proximale Stelle des Katheters punktieren.

  • Blasenpunktionsurin
    Blasenpunktionsurin ist optimal für die Diagnostik von Harnwegsinfektionen geeignet.

  • 24h-Urin
    Sämtliche Zusätze, die zur Stabilisierung der zu untersuchenden Substanzen erforderlich sind, müssen vor Beginn des Sammelns vorgelegt werden (2 Liter Urinsammelflasche und Zusatz im Labor anfordern). Während der Sammelperiode etwas weniger trinken als üblich, insbesondere auf Alkohol verzichten. Blase morgens nach dem Aufstehen entleeren, diesen Urin aber nicht auffangen. Uhrzeit notieren! Von nun an jeden Urin sammeln, auch bei Stuhlgang. Die letzte Sammlung endet zur gleichen Zeit, wie am Beginn des Vortags notiert. Blase entleeren, auch ohne dringendes Bedürfnis und diese letzte Portion auffangen. Gesamtmenge durchmischen, das Volumen abmessen, notieren und dem Labor mitteilen (muss mindestens 800 ml betragen). 10 ml in ein Versandgefäß abfüllen.und die Probe bis zum Versand kühl lagern, nicht ins helle Licht stellen! Ist die Gewinnung von 24h-Urin nicht möglich, ist eine Rücksprache mit dem Labor erforderlich.

Stuhl

in der Regel ca. 2 g (haselnussgroß) ausreichend, bitte im Spezialgefäß versenden (Standard-Stuhl-Röhrchen mit Löffelchen). Stuhl sollte bis zum Transport möglichst kühl gehalten werden. Die Haltbarkeit der Stuhlprobe zur Messung der Aktivität von Pankreas-Elastase und von Tumor-M2-Pyruvat-Kinase beträgt 1–2 Tage bei 2°–8°C (Kühlschrank). Insbesondere bei parasitologischen Fragestellungen sind gegebenenfalls mehrere Einsendungen an aufeinander folgenden Tagen erforderlich. Bitte auf Einsendung ausreichender Stuhlmengen achten, wenn neben der bakteriologischen auch parasitologische oder weitere Untersuchungen angefordert werden. Für Stuhlflorauntersuchungen muss ein mindestens zur Hälfte gefülltes Röhrchen eingesandt werden. Für den Nachweis bakterieller Durchfallerreger sind auch Rektalabstriche mit Transportmedium geeignet.

Punktionsflüssigkeiten

1-8 ml, Einsendung direkt in der Monovette oder Spritze möglich (möglichst keine Kanülenmitschicken!) oder aber Überführung in ein steriles Universalröhrchen. Gegebenenfalls auch bei besonderen Fragestellungen Benutzung einer Blutkulturflasche. In sterile Einwegröhrchen füllen:

für klinisch-chemische, serologische und PCR-Untersuchungen - ohne Zusatz;

für bakteriologische Untersuchungen – ohne Zusatz; bei Transportzeiten > 6 Std. Transportmedien (z.B. Amies-Medium) benutzen; ggf.bei entsprechender Punktionsmenge u./o. Lagerung > 12 Std. zusätzlich in eine aerobe Blutkulturflasche geben und bei 37°C vorbebrüten.

zur Zellzählung – mit EDTA-Zusatz

  • Synovialflüssigkeit
    1 ml, In sterile Einwegröhrchen mit Natriumheparinat füllen. Die Probe muss frisch verarbeitet werden!
  • Liquor
    1-5 ml, Liquor in sterile Plastikgefäße ohne Zusätze füllen (z.B. Serumröhrchen), keine Glasgefäße verwenden!
    Für mikrobiologische Untersuchungen – vor Abkühlung schützen. Bei Lagerung > 2 Std. zusätzlich eine Liquorprobe in eine aerobe Blutkulturflasche geben; verdächtigen (trüb, blutig, etc.) Liquor auf einem Objektträger lufttrocknen lassen. Zusammen mit dem benutzten sterilen Röhrchen und der beimpften Blutkulturflasche sofort nach Entnahme dem Labor zusenden. Ist dies nicht möglich, muss der Liquor für klinisch-chemische Untersuchungen im Kühlschrank und für mikrobiologische Untersuchungen bei 37°C im Brutschrank aufbewahrt werden.
    Für zytologische Untersuchungen kann ausschließlich frischer Liquor verarbeitet werden, da sonst die Ergebnisse verfälscht werden. Bitte beachten Sie, dass für einige Untersuchungen (z.B. Borrelien-Serologie) zusätzlich die Einsendung einer Serum-Probe erforderlich ist!

Abstriche

  • Abstriche für molekularbiologische Untersuchungen
    Für den Erregernachweis mittels PCR bzw. Nukleinsäure-Hybridisierung bitte spezielle Abstrichbestecke (Abstrichbürsten mit flüssigem Transportmedium) benutzen, die Sie im Labor anfordern können.

  • Abstriche zum Chlamydien-Nachweis
    Da es sich bei Chlamydien um obligat intrazelluläre Erreger handelt, muss zellreiches Material gewonnen werden. Üblich sind Urethralabstriche bei Männern und Frauen, Cervixabstriche, sowie Augenabstriche. Wahlweise können spezielle Objektträger und Dacrontupfer für den Chlamydiennachweis mittels Immunfluoreszenz oder Abstrichtupfer und Transportmedium für den Chlamydien-Nukleinsäurenachweis benutzt werden.

  • Bindehautabstriche
    Sofern nicht reichlich Augensekret vorhanden ist, kann der Abstrichtupfer ggf. vor der Materialentnahme mit steriler physiologischer Kochsalzlösung angefeuchtet werden. Beim Verdacht auf eine Gonokokkeninfektion muss ein Transportmedium mit Aktivkohle benutzt werden – besser Spezialbesteck für Nukleinsäurenachweis für Chlamydien und Gonokokken.

  • Biopsiematerial
    Es können spezielle Transportmedien z.B. für den Nachweis von Anaerobiern angefordert werden. Teilweise ist auch ein Einlegen des Materials in sterile physiologische Kochsalzlösung möglich. Im Zweifelsfall bitte telefonisch Rücksprache nehmen!

  • Genitalabstriche
    Für Cervix- und Urethralabstriche stehen schmalere ("Mini-") Abstrichtupfer zur Verfügung.
    Bitte beachten Sie, dass die bakteriologischen Abstrichtupfer zwar gut für den Nachweis von Mykoplasmen sind, sich aber nicht für den Chlamydien-Nachweis eignen. Dafür sollte gesondertes Abstrichbesteck benutzt werden. Bei Verdacht auf eine Gonorrhoe muss Transportmedium mit Aktivkohlezusatz verwendet werden. Alternativ werden die Abstrichbestecke für die PCR-Technik empfohlen, besonders bei längeren Transportwegen. Bei Cervixabstrichen möglichst Berührung der Scheidenwand vermeiden.

  • Hautabstriche, Hautpartikel, Hautschuppen/ Hautgeschabsel, Nagelspäne, Haare
    Bei trockenen Läsionen ggf. Abstrichtupfer vor der Materialgewinnung mit steriler physiologischer Kochsalzlösung anfeuchten. Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion nicht Abstriche sondern Hautgeschabsel oder Schuppen in einem sterilen Gefäß einsenden. Für den Nachweis von Dermatophyten, Hefepilzen, Schimmelpilzen bitte das Material in sterilen trockenen Gefäßen (Röhrchen, Petrischalen) einsenden. Materialgewinnung an der Grenze zwischen gesunden und erkrankten Stellen ist am effektivsten. Bitte keine ganzen Nägel einsenden, sondern Nagelgeschabsel! Haare mit Pinzette epilieren.

  • Nasenabstriche
    Material möglichst unter Sicht von sekretbedeckten bzw. entzündeten Stellen entnehmen, evtl. Borken ablösen. Bitte beachten Sie, dass Abstriche nur bedingt zur Diagnostik bei Sinusitis geeignet sind – hier sind Punktate vorzuziehen.

  • Ohrabstriche
    Bei Otitis media möglichst Kontakt mit der Gehörgangswand vermeiden.
    Bei Otitis externa gegebenenfalls auch Entnahme von Schuppen zum Ausschluss einer Pilzinfektion einsenden.

  • Rachen-, Tonsillen-Abstriche
    Bei der Entnahme möglichst die Berührung von Zunge und Wangenschleimhaut vermeiden. Bitte immer Abstrichtupfer mit Transportmedium verwenden, da empfindliche Keime sonst absterben.

  • Rektalabstriche
    Bei dem relativ einfach durchzuführenden Rektalabstrich wird der Watteträger ca. 5 cm in die Analöffnung eingeführt, gedreht, herausgezogen und im Transportmedium verschickt.

  • Wundabstriche
    Reichlich Material aus der Tiefe der Wunde bzw. vom Wundrand entnehmen.

weitere Probenmaterialien für den mikrobiologischen Erregernachweis

  • Blutkulturen
    Vom Labor werden spezielle Kulturflaschen zur Verfügung gestellt. Diese sind unter aseptischen Bedingungen mittels Injektionsspritze mit etwa 10 ml Patientenblut zu beimpfen.
  • Broncho-alveoläre Lavage (BAL)
    BAL eignet sich besser als Sputum für die Diagnostik tiefer Atemwegsinfektionen. Auch für spezielle Fragestellungen wie Anaerobierinfektionen, Pilzinfektionen und zur Tuberkulosediagnostik ist BAL dem Sputum vorzuziehen.
  • Eiter
    Eiter kann auch mit einer Spritze aspiriert und so eingeschickt werden (günstig für die Anzucht anaerober Keime). Flüssiges Untersuchungsmaterial (Punktat, Eiter) ist oberflächlichen Abstrichen immer vorzuziehen! Gegebenenfalls müssen Gewebeproben untersucht werden, wenn der entzündliche Prozess in tieferen Gewebeschichten abläuft.
  • Sputum
    Die Patienten müssen informiert werden, dass nur aus der Tiefe abgehustetes Material zur Untersuchung geeignet ist, am besten Morgensputum. Speichel (erkennbar an zahlreichen Plattenepithelien im mikroskopischen Präparat) ist für die Diagnostik von Atemwegsinfektionen wertlos. Schneller Transport zum Labor und zwischenzeitliche Kühlhaltung sind unbedingt erforderlich.

Auftrag und Probenkennzeichnung

Jedes Probenmaterial (Primärröhrchen, nicht das Transportgefäß) muss eindeutig gekennzeichnet sein. Die zweifelsfreie Probenidentifizierung ist ein entscheidender Faktor für die Zuverlässigkeit der Untersuchungsergebnisse. Eine Probe muss mit einem Barcode zur Identifizierung versehen sein und der gleiche Barcode muss auf den Anforderungsschein geklebt werden, damit Name, Vorname, Geburtsdatum, Geschlecht des Patienten sowie das Entnahmedatum eindeutig zugeordnet werden können. Für die Blutgruppenbestimmung (AB0, Rh, AkS) sollte ein unabhängiges Blutabnahmegefäß  verwendet werden. Bei mikrobiologischen Proben sollte zusätzlich die Art des Untersuchungsmaterials angegeben werden.

Bitte beachten Sie: Barcodes direkt auf die Probenröhrchen (Primärröhrchen) kleben, nicht auf die Transport-Schutzhülle!

Hier finden Sie auch unsere aktuellen Anforderungsscheine zur Ansicht und ein Bestellformular für Scheine und Barcodes. Vergessen Sie bitte nicht die rechtzeitige Nachbestellung, diese kommt unverzüglich mit dem Fahrdienst. Unsere Mitarbeiterinnen der Praxisbetreuung beraten Sie gerne über die Anwendungsmöglichkeiten der Ihnen vielleicht noch unbekannten Anforderungsscheine bzw. beantworten Ihre Fragen, um eine weitere reibungslose Zusammenarbeit zu gewährleisten.